RAW Magdeburg

Lost Places

Reichsbahnausbesserungswerk (RAW) Salbke, Magdeburg

Das alte Reichsbahnausbesserungswerk in Magdeburg wurde bereits 1893 gebaut und nahm 1895 seinen Betrieb auf.

1899 wurde es dann aufgrund höherer Auslastung erweitert.

Das Werk beschäftigte zu dieser Zeit bereits 400 Mitarbeiter.

Der benötigte Strom wurde selbst über eine Kesselanlage erzeugt.

Damit wurde eine Batterie gespeist, welche so stark war, dass man die Stromproduktion vormittags

und nachmittags aussetzen konnte.

1912 arbeiteten bereits 800 Menschen im Werk, es gab eine eigene Werksfeuerwehr und eine

neue Weichenwerkstatt.

Die Hauptaufgabe des Werkes bestand darin, Güterwagen, Spezialgüterwagen und Personenwagen zu warten.

1942 wurde eine neue Hochdruck-Azytelen-Anlage gebaut, um das Werk über eine Ringleitung mit Schweißgas zu versorgen.

1944 umfasste das Schienennetz des Werkes allein schon 55 Gleise mit 35 Gleiskilometern.

Am Abend des 21. Januar fiel das Werk einem Luftangriff zum Opfer. 80% des Werkes wurden zerstört.

Besonders dramatisch war die Situation im Kesselhaus. Dort waren die Kessel auf vollen Touren, als durch die Bomben die Wasserversorgung ausfiel.

Eine schwere Explosion und ein Ausglühen der Kessel drohte.

Der Kesselwärter entfernte unter Einsatz seines Lebens Glut und nachrutschende Kohle von den vier Feuerstellen.

Auch die Hochkohlebunker, welche jeweils 80 Tonnen Kohle fassten, wurden durch Brandbomben getroffen und brannten.

Nach dem Krieg wurde das Werk schnell wieder aufgebaut und stetig verbessert.

Auch die im Mittelpunkt stehende Richthalle, welche allein durch ihre Ausmasse von 165x242 m (also fast 40.000 qm) beeindruckt, wurde renoviert.

Zu Zeiten der DDR wurden aus einstigen Abfallprodukten der Produktion, Konsumgüter wie Griffe, Hammer, Garderoben und Holzzäune hergestellt.

Anfang 1992 arbeiteten noch fast 1300 Menschen im Werk. In den folgenden Jahren wurden es immer weniger, bis das Werk schließlich nur noch 150 Mitarbeiter zählte.

1998 wurde das Werk geschlossen und steht seither unbenutz und verfällt.

2012 beschloss die Stadt Magdeburg die Möglichkeit, auf dem Gelände einen Solarpark errichten zu lassen.

In diesem Zusammenhang wird befürchtet, dass ein großer Teil der denkmalgeschützten Gebäude den Solarpanelen weichen muss.

Im Februar 2013 stürzte ein 24-jähriger Mann trotz mitgeführter Sicherungsleine aus 22 Metern Höhe vom Schornstein des Werkes auf ein Vordach, als beim Herausklettern aus dem Schornstein ein Eisen aus dem Mauerwerk brach. Er erlitt einen Schädelbasisbruch und mehrere Beinbrüche und wurde von der Feuerwehr geborgen.

Der Mann hatte versucht beim Geocaching einen oben am Schornstein versteckten Geocache zu finden. Mehrere auf dem Gelände versteckte Caches wurden nach dem Unglück archiviert.

Das Gelände stellt für Fotografen und Geocacher einen besonderen Reiz dar.

Seit dem Unfall ist das Gelände besser abgesperrt und kann nur schwerlich betreten werden.

Da mittlerweile auch das Dach der Haupthalle sehr stark Einsturz gefährdet ist und sich auf dem ganzen Gelände offene Schächte und scharfe Materialien

befinden, wird von einem Besuch abgeraten.

Auch werden seither Betretungsversuche zur Anzeige gebracht.

Das Gelände wird zudem angeblich durch einen privaten Sicherheitsdienst überwacht.

Schilder weisen auf diesen Umstand hin.

Unten verlinke ich eine sehr interessante Dokumentation über das Werk.

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